Asgerot Incelsior

Cross-Media-Künstler & Minimalist

1. Juli 2020

Meine Art der Trauer

Meine Art der Trauer

Jeder Mensch reagiert anders auf den Tod eines geliebten Menschen oder Haustieres und verarbeitet diesen Verlust auf seine eigene Art und Weise.

Bei mir ist es der Tod meiner Mutter am vergangenen Wochenende, der mir momentan eine tiefe Kerbe in die Seele schlägt.

Nicht allein, weil sie gestorben ist, sondern auch, weil in solchen Momenten auch klar wird, welche Menschen, die einem wichtig erschienen, sich als das entpuppen, was sie in Wirklichkeit sind – nämlich keine Freunde.

Aber in diesem Beitrag soll es nicht darum gehen, wie ich mit der Wut über meine schlechte Menschenkenntnis umgehe, sondern darum, wie ich mit dem Verlust umgehen möchte.

Vorab möchte ich noch sagen, dass sie an den Folgen eines Schlaganfalls mit anschließender Gehirnblutung gestorben ist und nicht lange hat leiden müssen.

Dieses Wissen macht es zwar nicht leichter, die letzten Stunden, die ich an ihrem Krankenbett verbringen durfte, zu ertragen, aber ich bin dankbar dafür, dass sie selbst dies alles nicht mehr mitbekommen hat, da bereits der Hirntod festgestellt war und lediglich Herz und Lunge den Körper noch am Leben erhalten haben.

Gestern hatte ich zum ersten Mal ein körperliches Zittern gespürt, als ich wohl realisiert habe, dass sie nicht mehr zur Türe hereinkommen wird, um mit mir zu schimpfen, weil ich gerade einmal wieder ihre Salzstangen wegfuttere.

Mir bewusst geworden ist, dass ich kein Wort mehr mit ihr wechseln werde.

Sie nicht mehr necken kann, wenn sie mal wieder eine Zahl beim Sudoku oder ein Wort beim Kreuzworträtsel nicht findet, obwohl es genau vor ihrer Nase liegt.

Ihr Augenrollen nicht mehr sehen zu dürfen, wenn sie mich fragt, was sie mir jetzt für das Wasser oder das Essen schuldet und ich sage, dass würde ich übernehmen.

Ich bin so dankbar, dass ich vor einem Monat mit ihr noch an die Nordsee fahren und ihr damit einen Herzenswunsch erfüllen konnte.

Des Weiteren bin ich ebenso dankbar dafür, dass die den Samstag davor noch einmal mit einer ihrer besten Freundinnen verbringen konnte.

Ich bin dann mal weg!

25.06.2020 um 9.15 Uhr

Dies waren meine letzten Worte an sie gewesen, als ich am Freitag ins Büro nach Duisburg gefahren bin.

Eine Horrorvorstellung, wenn man sich das als Außenstehender jetzt vorstellt und ich kann dir sagen, dass ich daran noch lange denken werde.

Natürlich kann so etwas jeder Zeit geschehen, aber gerade deshalb sollte man doch jeden einzelnen Moment mit einem anderen Menschen bewusst erleben und ihn spüren lassen, wie wichtig er einem ist, richtig?

Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass es dich in meinem Leben gibt!

Essen-Borbeck, 29.06.2020

Bitte nimm dir ein paar Minuten Zeit und denke einmal über die Menschen in deinem Umfeld nach, die dir wichtig sind. Nimmst du sie auch eher als selbstverständlich wahr oder zeigst du ihnen so oft wie möglich, was sie dir bedeuten?

Wie gehe ich nun damit um?

Also ich denke, ich befinde mich immer noch im »Verdrängungsmodus« und versuche, meinen bisherigen Tagesablauf soweit es geht beizubehalten.

Ich erledige meine beruflichen Aufgaben, da sie auch wichtig sind und ich meinem Kollegen gegenüber eine Verantwortung trage.

Aber natürlich priorisiere ich derzeit alle anfallenden Aufgaben, die unmittelbar mit dem Tod meiner Mutter zu tun haben, vor allen anderen Aufgaben.

Du darfst nicht zulassen, dass die Trauer dein Leben bestimmt!

Essen-Borbeck, 29.06.2020

Wie alles im Leben, so ist auch Trauer nur ein Teil davon und auch dieser Teil hat kein Recht darauf, einzig und allein mein Leben zu bestimmen. Alles ist ausnahmslos gleichberechtigt nebeneinander.

Zudem habe ich meiner Mutter das Versprechen gegeben, ihr Geschenk des Lebens jetzt noch bewusster zu transformieren – hin zu dem Ingo, der sich selbst, jeden Menschen und jedes Lebewesen mit vollstem Respekt behandeln wird.

Der Ingo zu sein, der keine Ausreden und Ausflüchte findet, um sich seiner Verantwortung gegenüber seinem Umfeld zu drücken oder um unangenehmen Dingen aus dem Weg zu gehen.

Das Leben geht weiter, kommst du mit?

Diese Frage ist meine »Absicherung« für den Fall, dass ich den Kopf in den Sand stecke und mir mein Achtsamkeit-Ich auf die Schulter klopfen wird, um mir seine Hand entgegen zu strecken und mich mitzunehmen.

Zum Schluss möchte ich mich noch bei den Menschen bedanken, die mir ihr aufrichtiges Mitgefühl ausgesprochen haben und ich danke denjenigen echten Freunden, die mich unaufgefordert persönlich in den Arm genommen haben, auch wenn sie eigentlich andere Verpflichtungen hatten oder am AdW wohnen.

Liebe Grüße vom Ingo

Wie denkst du darüber?

Deine Meinung zu diesem Thema ist mir wirklich wichtig. Daher möchte ich dich bitten, mir eine Email zu schreiben oder einen Kommentar bei Facebook zu hinterlassen. Vielen herzlichen Dank und ich wünsche dir alles erdenkliche Glück für dein Leben! Dein Ingo

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